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30. Juni 2017

Patente Patent-Recherche für KMU

Die Firma Scambia unterstützt ihre Kunden beim Patent-Schutz und -Management. Ihr Inhaber, Thomas Sütterlin, hat sich mit dem von seinem Arbeitgeber ausgelagerten Service selbständig gemacht. Im Business Parc nutzt er die Infrastruktur und Beratung.

Die Schweiz ist Innovationsweltmeisterin und belegt mit 892 Patentanmeldungen pro Million Einwohner wie im Vorjahr auch 2016 den ersten Platz in Europa. «The Gobal Innovation Index» und das «Europäische Patentamt» verkündeten auch für das Jahr 2016 wieder Spitzenmeldungen. Einer, der sich hier bestens auskennt, auf solche Statistiken zugreift und sie kompetent auswertet und interpretiert, ist Thomas Sütterlin. Seine 2013 gegründete Firma Scambia erbringt Dienstleistungen im Bereich des geistigen Eigentums (Intellectual Property, IP) und hat ihren Sitz im Reinacher Business Parc.

Der diplomierte Maschinen-Ingenieur ETH startete seine Karriere ursprünglich in der Industrie, wo er als interner Berater in der Logistik und im Einkauf tätig war und dann als Consultant bei PwC arbeitete. 1999 wechselte er zu Bosal, einer belgischen Firma, die Abgassysteme für Autos herstellt. Hier hatte er als Angestellter sein Büro in Basel und stiess «von 0 auf 100 in die Welt der Patente vor». Thomas Sütterlin baute dort als Intellectual Property-(IP)-Portfolio-Manager eine Koordinationsstelle sowie sein Netzwerk mit Anwälten etc. auf. Das dazu nötige Wissen eignete er sich mit «Learning by doing» und Kursen an. Seine Aufgabe war es, das Management und die Entwickler von Bosal über die neuesten Patent-Publikationen zu informieren. Dazu liess er im Auftrag der Firma eine ausgeklügelte Software entwickeln.

Beratungsmandat in GmbH verwandelt
Bosal wandelte 2013 seine Anstellung in ein Beratungsmandat um und erlaubte ihm, die Tools gegen ein Entgelt zu nutzen, Dritten anzubieten und weiterzuentwickeln. Neben Bosal gehören vor allem mittelgrosse KMU mit bis zu 1000 Mitarbeitern aus der Schweiz und Deutschland ezu seinen Kunden. Sie arbeiten mit ihm und externen Anwaltskanzleien zum Teil im Verbund) zusammen. (Grössere Firmen führen eigene Patentabteilungen.)

Ein Investor frage bei technischen Lösungen immer als erstes nach Patenten. «Ein Patent ist ein Verbietungsrecht. Der Patentinhaber alleine darf die Erfindung gewerbemässig nutzen», erklärt Sütterlin. Eine Patentanmeldung ist sehr aufwändig, erfordert u.a. eine präzise Beschreibung der Idee, Zeichnungen, Wissen über den Stand der Technik und sollte deshalb frühzeitig, am besten zu Beginn der Entwicklungsphase erfolgen. Die Patentierung einer Idee kostet für die ersten 2 Jahre 8 bis 15'000 CHF. In der Folge kommen Prüfungsgebühren, Übersetzungen und die Frage nach der geografischen Ausdehnung des Schutzes hinzu.

Aufwändige Patentierung gut überlegen
Wenn die Idee in vielen Ländern geschützt und der Schutz über die maximale Laufzeit beibehalten wird, können die Kosten auf bis zu 80'000 CHF anwachsen. «Eine Patentierung empfiehlt er vor allem für technische Innovationen und neue chemisch-pharmazeutische Wirkstoffe, die eine klare Chance für eine erfolgreiche Vermarktung und Aussicht auf Lizenzeinnahmen haben», so Sütterlin. Im Idealfall sollte die Erfindung Merkmale aufweisen, die später gut in den Produkten nachweisbar sind. So rät er bei neuen Prozessen und Softwareprogrammen eher von einer Patentierung ab.

«Wer strategisch richtig vorgehen und sich nicht in grosse Kosten stürzen möchte, der verschafft sich am besten zunächst die nötige Übersicht über die Patente-Landschaft und seine Mitbewerber.» Alternativ kann ein KMU, das sich wiederholt technologischen Vorsprung verschafft, auch ohne Patentanmeldungen auskommen. Bis die Konkurrenz das Produkt kopiert, setzt die Firma schon auf die nächste Neuheit, ohne die Erfindung durch die Patentanmeldung zu offenbaren.

Monitoring, Auswertung und Aufbereitung
Thomas Sütterlin analysiert die IP-Prozesse von KMU und berät diese auch bei der Optimierung ihres Patent- und Markenschutzes. Scambia führt unter anderem Patent-Recherchen dazu durch und bietet ein Patent-Monitoring an. Mittels einer Web-Applikation werden die selektierten Daten analysiert und grafisch aufbereitet. Das Service-Jahres-Abo beinhaltet auch die Schulung der Mitarbeiter der Kunden. Die beiden selbst entwickelten Tools «made in Switzerland» passt Sütterlin dazu laufend auf die Bedürfnisse seiner Kunden an und investiert entsprechend in die Weiterentwicklung der Software.nt tätig

Beabsichtigt ein KMU Unternehmensbereiche oder Produktentwicklungen zu veräussern oder Dritten zugänglich zu machen, sind getätigte Patentanmeldungen von Vorteil. Sütterlin hilft dann mit gezielter Recherche bei der Käufer- oder Lizenznehmersuche. Dazu gilt es, potentielle M&A-Kandidaten oder Kooperationspartner zu identifizieren, die im selben Bereich tätig sind und technologisch übereinstimmen oder sich ergänzen. So unterstützt er Firmen auch bei Nachfolgeregelungen.

Mit Tools Trends erfassen
Darüber hinaus lassen sich seine Tools für Trendanalysen einsetzen: Wo sieht der Wettbewerb die Zukunft? Gibt es Ansammlungen von Themen, die von Unternehmen patentiert werden? Das System wertet auch aus, in welchem Zeitraum die Anzahl der Patentveröffentlichungen in bestimmten Technologiefelder zu- bzw. abnimmt, und welche Firmen und Länder besonders aktiv sind. So bestätigt zurzeit die Patent-Auswertung einen starken Anstieg im Bereich der Elektromobilität bei den europäischen Automobil-Herstellern. Hingegen stagniert die Entwicklung bei den Dental-Technologien nach einem Hype im Jahr 2006.

Das Patentwesen ist ein weitläufiges, spannendes und vor allem wichtiges Thema, das schon zu manch erbitterten Rechtsstreit geführt hat: Wer eine andere Firma beim Kopieren der eigenen patentierten Technologie erwischt, sollte dies beispielweise durch Fotos etc beweisen können und dann einen Anwalt einschalten. Sobald dem Unternehmen die Patentverletzung nachgewiesen wird, muss es die betroffenen Produkte vom Markt zurückrufen und die damit erzielten Umsätze der Klägerin erstatten. Oder die Parteien einigen sich auf eine Lizenzvereinbarung, was die häufigere Variante ist.


Stärkere Bindung zum Verkauf
Thomas Sütterlin ist heute mit seinem Start-up gut im Business Parc etabliert und vernetzt. Dort schätzt er vor allem die Services, u.a. den Empfang und die Sitzungszimmer, die er auch für Workshops nutzt. Im Gegensatz zu seiner Anstellung zuvor hat er jetzt mit der vertraglichen Abnahme seiner Produkte eine stärkere Bindung zum Verkauf. Auch kann er freier über seine Zeit verfügen, auch mal einen Nachmittag mit seinem achtjährigen Sohn verbringen und dafür abends länger arbeiten. Ziel ist die Ausweitung seines Geschäfts, das heisst, weitere Kunden zu gewinnen und den Umsatz zu steigern. Dabei wird er vom Reinacher Gründerzentrum beratend begleitet.
Kathrin Cuomo-Sachsse, Foto Patent-Sujet: Fotolia