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26. Juni 2017

Start-up to go

Wie machen sich Firmen nach der Gründung fit für buchhalterische, steuerliche und rechtliche Aspekte? Sechs Experten gaben Tipps am gemeinsamen Anlass vom Business Parc, von BaselArea.swiss und der Schweizerischen Treuhandgesellschaft vom 22. Juni.

Wer sich selbständig gemacht hat, weiss: Nach der Firmengründung beginnt die eigentliche Arbeit. In der Aufbau- und Wachstumsphase muss sich der Inhaber neben der Bewältigung des Kerngeschäfts einigen Verpflichtungen und Herausforderungen im Berufsalltag stellen.

Konkurse wegen schlechter Buchführung
6 von 10 Konkursen seien auf mangelnde Liquidität aufgrund schlechter Buchführung zurückzuführen. Dabei ermöglicht diese, weit vorauszusehen und rechtzeitig einzugreifen, Chancen und Risiken besser zu managen und die avisierten Ziele zu erreichen. «Sie dürfen Buchhaltung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Fangen Sie so früh wie möglich damit an», mahnte Philipp Akeret, dipl. Wirtschaftsprüfer, Partner und Verwaltungsrat STG, die rund 20 Besucher des erstmals vom Business Parc zusammen mit BaselArea.swiss und STG-Experten durchgeführten Anlasses.

«Eine gute Buchhaltung schafft Vertrauen, ist die Basis für Bankkredite, neue Kunden, Mitarbeiter-Boni und dient auch der Vergleichbarkeit», so Akeret. Er erklärte, wann es Sinn macht, Nebenbücher zu führen oder wozu Kontenpläne gut sind und schilderte, welche Standards es in der Praxis-zu befolgen gilt: «Beispielsweise dürfen Gewinne erst erfasst werden, wenn sie realisiert sind, Verluste hingegen bereits, wenn wir sie erahnen.» Nach dem Mindestwert-Prinzip dürfe sich eine Firma nicht besser darstellen, als sie ist, erfuhren die Teilnehmer weiter.

Doch auch in der Buchhaltung halten Automatisierung und Digitalisierung Einzug. Dies mache eine andere Kommunikation erforderlich: Laut Akeret können die Kunden künftig 60 Prozent der Administration/Organisationsarbeit selbst übernehmen und ihre Buchungen beispielsweise mit einer Software korrekt und effizient vornehmen: «Doch wenn Sie zu basteln beginnen, wird es schwierig!» Im Gegenzug könne der «Buchhalter 4.0» vermehrt Beratungsleistungen übernehmen.

Immer frühzeitig die Steuern planen
Auch für die Steuerausscheidung braucht es immer eine Buchführung mit Aufwand und Ertrag «und zwar so aufgebaut, dass die Umsätze auch bei mehreren Firmenstandorten ersichtlich sind», erklärte Rolf Andrist, Steuerberater der STG. Inwieweit ein Jahresabschluss mit Bilanz und Erfolgsrechnung beigelegt werden muss, hängt für die Steuerbehörden massgebend vom Eintrag der Firma im Handelsregister ab. Dieser ist für alle Rechtsformen bis auf die Einzelfirma mit unter 100'000 CHF Jahresumsatz zwingend. Die dem Jahresabschluss vorangehende Steuerplanung in der Geschäftsleitung möglichst früh anzusetzen, betonte Andrist. Er gab am Anlass ein paar grundsätzliche Hinweise: Eine minimale Kapitalsteuer im Promillebereich werde erhoben, wenn es keine Gewinne gibt. Bei der Gretchenfrage, ob die Lohn- oder Gewinnausschüttung steuerlich günstiger sei, riet Andrist, auf jeden Fall ein angemessenes Salär festzulegen. Mit dem Lohnrechner (www.lohnrechner.bfs.admin.ch) erhalte man gute Anhaltspunkte.

Ein weiteres zentrales Thema war die Mehrwertsteuer, die Selbständigerwerbende mit einem Jahresumsatz ab CHF 100'000 abrechnen müssen. Die für die MWSt nötige Umsatzabrechung eignet sich laut Andrist auch gut als Kontrollmittel für die Firma. Bei drohenden Verzugszinsen von 5 Prozent empfiehlt er, die Fristen bei der MWSt unbedingt einzuhalten.
Ein weiterer Tipp an kleinere Unternehmen lautete, Mitarbeiter lieber direkt am Aktienkapital mit Agio (Aufpreis) zu beteiligen als mit Optionen. Ein Options-Plan könne rasch 200'000 CHF pro Jahr und mehr kosten.

Richtig kündigen – Buch mit sieben Siegeln
Zu rechtlichen Fragen standen Francesca Maimone, Juristin, und Fabia Spiess, Rechtsanwältin (Foto links), Red und Antwort. So seien die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) oft vorformulierte Vertragsbedingungen und eigentlich verhandelbar, da nicht zwingend rechtlich geltend. Für Kunden gelte immer die die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses veröffentlichte Version. Es lohne sich, dann die AGBs nicht nur genau zu studieren, sondern auch auszudrucken.

Als weiteres Spotlight streiften die beiden Juristinnen das brisante Thema «Arbeitsvertrag». Zwar verlangt hier das Gesetz keine schriftliche Formulierung, sie sei aber zu empfehlen, vor allem wenn es später im Arbeitsverhältnis kriselt. Neben Arbeitsbeginn, -zeit, Lohn u.a. sei allerdings ein Pflichtenheft (im Fall einer späteren Erweiterung des Aufgabengebiets) nicht immer geeignet. «Da das Recht grundsätzlich beim Schwächeren, also dem Arbeitnehmer liegt, sind fristloses Kündigen in der Not ein No Go und können mit Schadens- und Lohnfortzahlungs-Ansprüchen wirklich sehr kostspielig werden», betonte eine der Referentinnen. Sie riet, im Vorfeld Mitarbeitergespräche zu führen und dokumentieren sowie die gesetzlichen und vertraglichen Kündigungsfristen, v.a. bei Krankheit, Schwangerschaft und Militärdienst, immer einzuhalten.

«Im Unterschied zum Werkvertrag ist ein Auftrag jederzeit widerrufbar», erfuhren die erstaunten Teilnehmer. Der Dienstleister habe zwar Anspruch auf Schadensersatz, etwa für allfällige Umtriebe, müsse dann allerdings beweisen, dass die Kündigung zur Unzeit erfolgt ist. «Darum werden bei mehrjährigen Verträgen oft Abschlagszahlungen für bereits erfolgte Leistungen vereinbart», erklärte die Expertin und riet im Rahmen der Treue- und Sorgfaltspflicht stets die Interessen des Auftraggebers einzuhalten. Wie im Fall von Kündigungsklagen kann eine Rechtsschutzversicherung für Start-ups hilfreich sein.

«Must-Haves» bei den Versicherungen
Schliesslich gab Versicherungs-Experte Hendricus van Teeffelen, der mit seiner Firma Allcons AG im Business Parc ansässig ist, praktische Tipps, u.a. zur Steueroptimierung bei der BVG (Pensionskasse und 3. Säule) und Personalvorsorge. Neben der obligatorischen Unfall- und ebenfalls wichtigen Krankentaggeld-Versicherung führte er die Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung als weiteres «Must Have» auf. Diese bietet finanziellen Schutz vor Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die im Rahmen der Berufsausübung verursacht werden können, und sollte laut van Teeffelen nach der Start-up-Phase laufend überprüft werden. Bei der Krankentaggeldversicherung gelte es schliesslich abzuwägen, wie viele Tage man für die Wartefrist «aus dem eigenem Sack» bezahlen wolle, um die Prämie entsprechend zu minimieren.

«Gut fährt ein Start-up auch mit geschickt kombinierten Geschäfts- und Sachversicherungen. Nice-to-have nannte er einen UVG-Zusatz, der günstig in die private Krankenversicherung integriert werden kann. Je nach Branche und Aktivität lassen sich spezifische Versicherungen abschliessen wie etwa für Cyber-Crime oder in Kreditfällen (wenn z.B. der Hauptkunde Konkurs geht). Generell empfahl er, regelmässige Risikobeurteilungen vorzunehmen, das jährliche Kündigungsrecht einzufordern, den Selbstbehalt zu prüfen u.a.m.

Am Anlass vermittelten die Experten der STG und vom Business Parc ein kompaktes Rund-um-Informationspaket. Die Besucher stellten trotz der Dauerhitze viele Fragen und beteiligten sich lebhaft an den Diskussionen. Kathrin Cuomo-Sachsse